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Georg Philipp Telemann: Matthäus-Passion (1746) Drucken E-Mail

Am Karfreitag wurde Telemanns Matthäus-Passion aus dem Jahre 1746 in der Markgrafenkirche in Seibelsdorf aufgeführt. Die Zuhörer erlebten eine tiefgründige Auseinandersetzung mit der Leidensgeschichte Jesu.

Die Hoffnung auf ein "Danach"

"Eine herausragende Bedeutung kommt dem Evangelisten zu, in dessen Rolle Tenor Johannes Puchleitner glänzte. Jedes seiner Worte war klar zu verstehen - und zugleich voller Wärme und Anteilnahme. Das Prädikat "Exzellent" trifft auch auf die weiteren Solisten zu, die mit großer Ausdruckskraft die Brisanz des Geschehens lebendig werden ließen."

Von Heike Schülein (inFranken.de, 6. April 2015)

"Dess sollen wir uns trösten" - Als die letzten Töne des finalen Chorals im Seibelsdorfer Gotteshaus verhallen, herrscht andächtige Stille. Die Mitwirkenden wie auch die Zuhörer verweilen auf ihren Plätzen und verarbeiten das gerade Erlebte - ein untrügliches Zeichen der nachwirkenden Aussagekraft von Georg Philipp Telemanns Matthäus-Passion. Die Besucher erheben sich: Standing Ovations - ohne Beifall, davon sah man am Karfreitag ab, dafür Momente der Stille. Trotz Leid und Tod steht am Ende die Hoffnung auf ein "Danach" -  auf ein helles, strahlendes Osterfest. Eineinhalb Stunden schien alles vergessen. Die Matthäus-Passion zieht die Menschen in den Bann.

Das so viel Hoffnung schenkende sakrale Werk erlebte am Karfreitag in der Markgrafenkirche Seibelsdorf eine großartige Aufführung - bis zu "Dess sollen wir uns trösten", mitgesungen vom Kirchenchor Unterrodach. So wie alle Choräle. Die Kirchenchormitglieder saßen auf den rechten und linken Sitzreihen an den vorderen seitlichen Wänden, von wo aus sie die Choräle erklingen ließen.

Zuhörer waren "mittendrin"

Wie Dekanatskantor Marius Popp eingangs erläuterte, sei die Passion zu früheren Zeiten in die Liturgie des Karfreitags-Gottesdiensts eingebunden gewesen. Zwischen dem ersten und den zweiten Teil hielt der Pastor seine Predigt. Auch die Gemeinde habe sich daran beteiligt, indem sie die Choräle mitgesungen habe - ganz nach dem Prinzip von Bach. Der Kirchenchor übernehme diesen Part, um den Zuhörer das Gefühl zu vermitteln, wie es für die Gottesdienstbesucher damals gewesen sei. Und auch die Zuhörer in der Seibelsdorfer Kirche waren dazu aufgerufen, den Chor "Reiche deinem schwachen Kinde" mitzusingen, was diese gerne annahmen - ein Gefühl der Zusammengehörigkeit machte sich breit und man war tatsächlich "mittendrin".

Die wohlklingende "Verpackung" der Dramatik war den Mitwirkenden unter der souveränen Leitung von Marius Popp zu verdanken. Alle Akteure "lebten" ihre Parts. Die Sänger des Dekanats-Chor Kronach, verstärkt durch Mitglieder des Konzertchors Coburg Sängerkranz, berührten mit ihrem emotionalen und eindringlichen Gesang.

Voller Wärme und Anteilnahme

Eine herausragende Bedeutung kommt dem Evangelisten zu, in dessen Rolle Tenor Johannes Puchleitner glänzte. Jedes seiner Worte war klar zu verstehen - und zugleich voller Wärme und Anteilnahme. Das Prädikat "Exzellent" trifft auch auf die weiteren Solisten zu, die mit großer Ausdruckskraft die Brisanz des Geschehens lebendig werden ließen. Die Arien der Sopranistin Christiane Wolff und der Altistin Stefanie Schmitt erklangen mit wunderbarer Reinheit. Ein besonderes Hörerlebnis bot der Bass, Rainer Grämer, der Jesus seine Stimme verlieh und dessen Martyrium nachempfinden ließ. Alexander Fröba (Petrus, Chaiphas) und Martin Rank (Pilatus, zweiter Zeuge) aus Reihen des Chors übernahmen auch Solopartien und erreichten mit ihrer Ausdruckstiefe das Publikum.

Engagiert musizierte einmal mehr das Popp-Consortium, das das Geschehen einfühlsam begleitete. Vollends ließen sich die Instrumentalisten auf die Stimmungen und Nuancen ein und glänzten im dynamischen Zusammenspiel. Sie alle boten den Musikliebhabern einen musikalischen Genuss sowie eine tiefgründige Auseinandersetzung mit der Leidensgeschichte Jesu.

 
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© 2018 Johannes Puchleitner, Tenor


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